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Eduard Dollerschell
Stadtkirche Wülfrath
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Geboren wurde er am 12 Mai 1887 in Elberfeld, Wuppertal; gestorben ist er am 3 September 1946 in Wülfrath. Sein Vater war aus Nordfriesland in Dänemark; seine Mutter aus Elberfeld.

Eduard Dollerschell schloss bis 1907/1908 eine Lehre als Lithograph[1] ab; daneben belegte er Abendkurse in der Kunstgewerbeschule Elberfeld bei Professor Max Bernuth (1872-1960), Julius Mermagen (1874-1954) und Hans Seiß (1866-1957)[2].
Er erhielt ein Stipendium, wodurch der Besuch an der Münchner Kunstakademie bei Angelo Jank (1868-1940) und Franz von Stuck (1863-1928) möglich wurde.
Erste graphische Ergebnisse  waren bei Ferdinand Schmutzler (1870-1928) und Max Pollack (1886- ?). Die erste Ausstellung seiner graphischen Arbeiten fand 1910 in Wien statt.[3]
Um seine Studien fortzusetzen zog es ihn auch nach Paris, die Stadt, die in diesen Zeiten durch ihre mit den grundverschiedenen Strömungen so viele Künstler anzog. Insgesamt verbrachte er 12 Jahre seines Lebens dort.
Sein erster Pariser Aufenthalt war in Jahren 1912 bis 1914. Es entstand das Bild „Junge Pariserin, 1912“,[4] das von Alexander Koch[5] erworben wurde.[6] Im Herbst 1913 stellte er im Salon d´automne zwei seiner Arbeiten aus[7]. Und in Paris begegnete er Wilhelm Lehmbruck (1881-1919), durch den er wertvolle Anregungen erhielt.[8] Lehmbruck hatte sich zwischen den Jahren 1910 und 1919 mit der Technik der Kaltnadelradierung[9] auseinander gesetzt.[10] Da  es sich dabei um Dollerschells Handwerk handelte, wird es zu einem Austausch gekommen sein und Dollerschell wird ihm Grundzüge des graphischen Handwerks gezeigt haben.[11]

Trotz der Jahre in Paris ging er nicht den ganzen Weg der Pariser Strömungen; er folgte schon vor 1920 einem gewissen Spiritualismus.
Anfangs wurde er von Edouard Manet (1832-1883) beeinflusst –immer wieder wird die „Junge Pariserin, 1913“ als Gegenstück zu Manets „Olympia, 1863“ erwähnt.
Weiterhin von Paul Cézanne (1824-1906) und Pierre Puvis de Chavannes (1824-1898)[12], später wandte er sich dem Expressionismus zu.

Bei Ausbruch des Krieges 1914 gelang es ihm von Frankreich nach Deutschland zu kommen, aber er musste seine Werke zurücklassen. Viele seiner Bilder und Druckplatten gingen hier verloren.
Kaum in Wuppertal zurück, stirbt seine Mutter, er zeichnet sie auf dem Sterbebett. Das Bild befindet sich heute im Von der Heydt-Museum, Wuppertal.[13]

Eduard Dollerschell war 4 Jahre während des Krieges in Russland und an der Westfront. Er war als Kriegsmaler unterwegs und zeichnete für die Feldzeitungen. Nach dem Krieg kehrte er nach Wuppertal zurück. Er unternahm viele verschiedene Reisen, die immer wieder in seinem Atelier in Wuppertal endeten. Anhand seiner Werke kann man die Eindrücke seiner Reisen sehen. Er bereiste Holland, die Auvergne, die Normandie, Spanien und Italien.
In Wuppertal entstanden 1919 die Graphik Mappe „Moloch“, es handelt sich dabei um Kaltnadelradierungen. Bei der ebenfalls 1919 entstandenen Mappe „Totentanz“ um  Holzschnitte[14]. Beide Mappen erschienen im selben Jahr bei Friedrich Dehne in Leipzig mit Texten des Schriftstellers Carl Robert Schmidt.
Bei beiden Werken kommt sein expressionistisches Schaffen durch. Bei „Moloch“[15] handelt es sich um 6 Stadtansichten, ein zentrales Thema des deutschen Expressionismus,  die Würdigung seiner Heimatstadt Wuppertal. In den 6 Gedichten von Carl Robert Schmidt wird der technische Fortschritt, wie die Schwebebahn, Eisenbahn aufgegriffen.
Eine der 6 Stadtansichten zeigt die Schwebebahn. Die verschachtelten Linienführungen und die zahllosen Winkel dieser Konstruktion kann man als expressionistisches Gebilde sehen. Dieses Gebilde regte viele Kubisten und Expressionisten in dieser Zeit an- ebenso wie der Eiffelturm oder der Eiserne Steg. Das Gerüst der Schwebebahn, die Konstruktion ist das Interessante für die Künstler – das Fahrzeug ist nicht zu sehen.
Ist von Schwebebahnbildern die Rede, so handelt es sich stets um die Bahn über dem Fluss. Dollerschell hat hier ein aggressives, expressionistisches Bild der Nachkriegszeit geschaffen. Es ist, auch wenn keine Industrie zusehen ist, eine Industrielandschaft mit aller Schärfe und Düsternis. Ein Nachtbild, das weder durch den Mond noch durch die Straßenlaternen erhellt wird. Die harten Strahlen der Beleuchtung unterstützen eher noch das Unheimliche.
Auch bei den anderen Blättern kommt das Düstere durch – gesprengte Perspektiven der Straßenzeilen, wankende Häuser.

In Kriegszeiten gewann bei vielen Künstlern das religiöse Thema wieder neue Aktualität, neben dem Leiden des Menschen wurde die Hoffnung auf Erlösung dargestellt.
Die Mappe „Totentanz“[16] zeigt den Kontrast Tod –blühendes Leben und den Gedanken an die Gegenwart des Todes mitten im vollen Leben. Tanzende Skelette mischen sich unter die Menschen und raffen sie hinweg, drehen an der Lebensuhr ohne Unterschied des Alters, Geschlechtes oder Standes.
Ein verständliches Thema in der Zeit der Krisen oder Kriegsstimmungen  um das nicht fassbare des Todes zu verbildlichen.

Beide Mappen standen im Jahr 1933 auf der Liste für „entartete Kunst“.[17] 


Wie viele Künstler setzt sich Dollerschell auch mit dem Thema Selbstbildnis auseinander. Nach längeren oder kürzeren Pausen ist an Wendenpunkten seines Schaffens  ein Selbstbildnis entstanden.
Die Lithographie von 1920 entstand in einer  Schaffensphase, wo der Hang zum Expressionistischen noch stark zu spüren ist. Bei seinem letzten Selbstbildnis haben wir es mit dem Werke von 1945 zu tun, das im Besitz des Niederbergischen Museums in Wülfrath ist.



Intime Einblicke in die weibliche Welt sind ein Hauptthema der französischen Maler.

Dollerschell geht es um das Licht, das gerade hier in solchen intimen Momenten eine starke Wirkung entfaltet –wie durch Spiegelung und Reflexe. Bei den hier gezeigten Kohlezeichnungen wird diese Reflexion durch die Verwendung von weißer Kreide erzielt. 

Dollerschell, der gerne reiste, wurde immer wieder von Paris angezogen, aber auch in Mittenwald blieb er längere Zeit. Dort lebte er etwa ab 1926 für 4 Jahre. Hier entstand das Bild „Monika, 1927“[18]. Es entstanden viele Eindrücke der Natur, aber auch religiöse Themen.

Eine Mappe mit Kaltnadelradierungen von 1927 „Blumen und Tiere“ zeigt hier sein Können als Radierer. Die minuziöse Darstellung von Blüten und kleinen Tieren:
1. Schmetterling und Blumen, 2. Libelle und Blumen, 3. Biene und Alpenveilchen, 4. Frosch und Spinne, 5. Frosch und Käfer, 6. Heuschrecke und Spinne, 7. Molch im Wurzelwerk, 8. Blumenelfen und Blüten 

Nach Mittenwald zog es ihn wieder nach Paris, wo er sich bis Ende 1930 aufhielt. Hier entstanden seine große Akte, Stillleben und Reisebilder. Auch viele Radierungen, die bei Lacourière-Frelot gedruckt wurden[19], sind aus dieser Zeit.

Danach kehrte er nach Wuppertal zurück und richtete sich sein Atelier in Elberfeld,  Herzogstraße 40 ein.
Ab 1931 malte er fast ausschließlich deutsche Landschaften, auf der Nordseeinsel Amrum verbrachte er jahrelang im Sommer ein paar Monate. Niederrhein, Eifel, Sauerland, Main-Franken, Mittenwald und der Taunus und immer wieder das Bergischen Land waren seine bevorzugten Motive.

Trotzdem wurden einige seiner Arbeiten als „entartete Kunst“ abgestempelt und Werke aus dem Wuppertaler Museum entfernt.[20]

Von Lehmbruck inspiriert wendete sich Dollerschell verstärkt der Plastik zu. In dieser Ausstellung werden zwei Köpfe, eine Tierbronze, sowie eine Judasvison gezeigt.
Das Museum hat das Glück eine Druckplatte zu besitzen; es handelt sich dabei um die Platte „Alte Kirche in Wülfrath“. So ist es dem Besucher möglich, direkt nebeneinander die Druckplatte und ein Druck eingehender zu studieren.


Sowohl bei dem klaren geformten "Kopf der Friesin, 1933" aus Gips, wie auch bei dem hier links zu sehenden "Frauenkopf, 1934" aus Bronze kann man eine Seelenverwandtschaft zu Lehmbruck erahnen.

 

1933 versteckte Dollerschell  seine gefährdeten Arbeiten in seinem Atelier. Diese Werke wurden alle Opfers des Bombenangriffes vom 24./25.06.1943. Es muss sich um den größten Teils seines Frühwerkes gehandelt haben. Dabei wurden auch über 300 Kupferplatten in seinem Düsseldorfer Atelier vernichtet. In Berlin wurden zur selben Zeit die Arbeiten seiner Russlandreise von Rowno bis Jalta zerstört.[21]

In Hagen verbrannte eine Kollektivausstellung, bei der es sich hauptsächlich um Ölbilder und Aquarelle von Amrum, aus dem Sauerland und der Eifel gehandelt hatte.

Nach dem Krieg errichtete er in Wülfrath sein neues Atelier. Nun entstanden Blumenaquarelle, Radierungen und biblische Szenen. Wie seine Selbstbildnisse immer wieder verarbeitet werden, so durchzieht sein Schaffen auch religiöse Themen.

Sein letztes Ölgemälde ist „Moses empfängt die Gesetzestafeln, 1946“ . 

Seinen letzten Auftrag für eine plastische Arbeit erhielt er im Februar 1946.[22] Es handelt sich um die Plakette für das Friedrich-Ebert-Denkmal auf der Hardt in Wuppertal. Das Denkmal wurde am 10. August 1946 eingeweiht.
 

Am 3. September 1946 ist Eduard Dollerschell gestorben.

Auf seinem Grab in Wuppertal steht heute ein unbearbeiteter Wülfrather Kalkstein; bis 1982 befand sich dort eine Bronzeplastik von Eugen Busmann.[23] Maria Dollerschell stiftete diese Bronze dem Niederbergischen Museum in Wülfrath.

Sie wurde im Innenhof des Museum aufgestellt.


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Sollten Sie weitere Literaturangaben wünschen, dann finden Sie meine Adresse unter dem Link Kontakt. Diese Angaben sind in einer gekürzten Fassung dargestellt.